Haltung von Vogelspinnen

von Samuel Koegl

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Vogelspinnen sind im Großen und Ganzen recht genügsame und einfache Pfleglinge, im Gegensatz zu anderen Terrarientieren. Tagsüber sollte man sie nicht unnötig stören, da jede Beeinträchtigung ihrer Lebensweise mit Stress verbunden ist.
Vogelspinnen sind Einzelgänger, die sich bei einer Begegnung oft sogar bis zum Tode bekämpfen. Daher ist eine Gemeinschaftshaltung sogut wie ausgeschlossen. Als Bodengrund empfiehlt sich Terrarienhumus oder auch handelsübliche Blumenerde(je nach Bepflanzung 2-3cm hoch)

Da sich die meisten Vogelspinnenarten tagsüber verstecken wollen empfiehlt es sich einige Versteckmöglichkeiten (z.B. Wurzelholz, Rindenstücke, großblättrige Pflanzen) zu bieten. Die Tier kommen oft in den Abendstunden hervor und laufen herum oder warten auf Fressen.

Ein Wassernapf sollte für die Tiere nicht fehlen, jedoch ist dieser immer im richtigen Größenverhältnis zum Terrarium zu wählen. Das Wasser sollte täglich gewechselt werden. Wem das zu umständlich ist, der kann auf Watergel zurückgreifen. Dieses Gelee ist länger haltbar und enthält alle nötigen Nährstoffe. Das Watergel sollte jedoch mindestens einmal pro Woche gewechselt werden. Das Terrarium einer Vogelspinne sollte einbis zweimal pro Woche von Kot und Futtertierresten befreit werden. Eine Komplettreinigung des Terrariums ist ca. alle 2-3 Jahre nötig, da sich diese Spinnen nur schwer und langsam an ihre Umgebungen gewöhnen und diese akzeptieren.

Der richtige Terrarienstandort

Ein Vogelspinnenterrarium sollte auf keinen Fall auf oder in der unmittelbaren Nähe einer Fensterbank stehen. Das einfallende Sonnenlicht heizt das Terrarium in sehr kurzer Zeit auf. Das heißt, dass die Tiere schnell an Überhitzung sterben können. Am besten stellen Sie das Vogelspinnenterrarium in eine dunkle Ecke des Raumes oder noch besser in ein Regalsystem.

Pflanzen im Terrarium

Für Baumbewohner kommen vorwiegend nur robuste Gewächse in Frage, da diese Tiere die Bäume und Äste bzw. Blattröhren als hauptsächlichen Lebensraum nutzen. Für Tropenwaldbebohner sind vorwiegend Kletterpflanzen wie Efeutute oder Kletter-Ficus empfehlenswert.

Für Trockenterrainbewohner sollten vorwiegend wasserspeichernde Pflanzen wie Sansevirien verwendet werden, da diese Terrarien nur selten befeuchtet werden.

Die Beleuchtung des Terrariums

Vogelspinnen sind, wie gesagt, dämmerungs bis nachtaktive Tiere, daher brauchen sie keine großartige Beleuchtung, lediglich eine Glühbirne mit 15 bis 25 Watt über dem Terrarium, zur Steuerung der Temperatur, reicht völlig aus. Die Lampen im Terrarium sollten maximal zehn bis zwölf Stunden am Tag leuchten, da so der Tag-nacht-Rhythmus perfekt simuliert wird.

Die richtige Lufteuchtigkeit

Die Luftfeuchtigkeit ist für Vogelspinnen besonders wichtig. Man sollte das Terrarium von Bodenund Baumbewohnern alle zwei Tage mit einem handelsüblichen Sprüher befeuchten. Das heißt: vor allem die Pflanzen und das Bodensubstrat. Vogelspinnen nehmen 80% der Feuchtigkeit nämlich über die Atemluft auf. Bei Röhrenbewohnern sollte man das Terrarium zweimal die Woche Wässern. Das heißt: das Terrarium bis auf das Erdniveau in eine Badewanne oder eine Plastikbehälter mit Wasser und so wird das Wasser über das Lochblech vom Bodensubstrat aufgesogen.

Das Zuhause für Baumbewohner

Unter den baumbewohnenden Vogelspinnen versteht man diese Arten von Vogelspinnen, die Baumstämme oder Blattwerke als Lebensraum nutzen. Die Größe des Terrariums ist nach der Größe der Spinne zu wählen, jedoch gilt als Richtwert für Baumbewohner eine Größe von:

20x30x30 cm

(BxTxH)

Das Zuhause für Bodenbewohner

Unter den bodenbewohnenden Vogelspinnen versteht man Vogelspinnenarten, die Steinspalten, Höhlen und Wurzelspalten als Lebensraum bevorzugen. Die Größe des Terrariums ist natürlich nach der Größe des Tieres zu wählen, jedoch gilt auch hier ein Richtwert:

20x30x20 cm

(BxTxH)

Das Zuhause für Röhrenbewohner

Die sogenannten "Röhrenbewohner" sind Vogelspinnenarten, die Erdlöcher und unterirdische Gänge graben und diese als Lebensraum bevorzugen. Wie auch bei den vorhergehenden Arten sollte hier die Größe hauptsächlich nach der Größe des Tieres gewählt werden. Jedoch ein Richtwert hierfür ist:

10x25x35 cm

(BxTxH)

Die Anschaffung einer Vogelspinne

Bei der Anschaffung einer Vogelspinne sollten sie sich überlegen, welche Lebensart Sie bevorzugen (Boden, Baum, oder Röhrenbewohner). Es sollten keine Wildfänge erworben werden, da diese oft Krankheiten und andere Schädlinge oder Parasiten mitbringen. Man sollte das neuerworbene Tier jedoch vorerst für eine Woche in ein spartanisch eingerichtetes Terrarium setzen um sie zu beobachten und um herauszufinden ob das Tier irgendwelche Auffälligkeiten zeigt.

Fütterung und Futteraufnahme

Sie sollten eine Vogelspinne hauptsächlich mit Heimchen, Grillen und Heuschrecken ernähren. Gelegentlich kann man ihnen auch eine noch nackte Babymaus (Pinkie) oder ein paar Mehlwürmer geben. Die Futtertiergrößen sollten von der Größe und dem Verhalten (aggressiv oder defensiv) abhängig sein. Nach spätestens zwei Tagen sollten Sie die nicht verspeisten bzw. getöteten Tiere aus dem Terrarium entfernen.

Während der Häutungsphase sollten die Tiere eine dreibis viertägige Futterpause einhalten, da sie in diesem Stadium sehr angreifbar und verletzlich sind. Junge Spiderlinge bzw. Tiere in der ersten FH sollten mit Fruchtfliegen (Drosophila hydei) ernährt werden. Vogelspinnen sollten ein bis zweimal pro Woche gefüttert werden und Spiderlinge zwei bis dreimal pro Woche.

Futtertiere im Überblick:

Heimchen: gibt es in den Größen micro, klein, mittel, groß

Grillen: gibt es in den Größen klein, mittel, groß

Heuschrecken: gibt es in den Größen mittel, groß

Drosophila: gibt es in den Größen klein, groß

Die Häutung

Spinnen häuten sich regelmäßig um zu wachsen. Dabei regenerieren sie auch ihre eventuell verlorenen Gliedmaßen oder Brennhaare. Junge Vogelspinnen häuten sich öters als ältere Tiere. Schon Wochen vor der eigentlichen Häutung wird unter der alten Haut eine neue gebildet.

Ablauf:

Zur Vorbereitung zieht sich die Spinne in ihren Unterschlupf zurück, verschließt ihn mit Gespinst und webt einen dickeren Gespinstteppich (Häutungsteppich) auf den Boden. Etwas später legt sie sich rücklings auf diesen Häutungsteppich und pumpt große Mengen Blut in den Vorderleib.
Nun windet sich die Spinne durch die Druckerhöhung in den Extremitäten langsam aus der alten Haut. Hat die Spinne die alte Haut abgestreift, bleibt sie noch einige Zeit auf dem Rücken liegen. Etwas später dreht sie sich wieder in Normalposition.

Vorsicht:

Hat sich die Vogelpinne gehäutet, sollten Sie das Tier in den Tagen nach der Häutung nicht stören. Die Haut der Spinne ist in dieser Zeit noch sehr weich und es könnte durch Verteidigungsversuche zu Verformungen der Extremitäten kommen. Nach ca. einer Woche können Sie die alte Haut aus dem Terrarium entfernen. Frühestens nach einer Woche sollten sie der Spinne wieder Futter anbieten.

Die Paarung

Vorbereitung der Paarung:

Das Sperma wird in den Hoden im Hinterleib des Männchens produziert. Um es in die Bulben zu Übertragen muss das Männchen ein sogenanntes Spermanetz bauen. Dort wird dann das Sperma in der Mitte des Netzes abgelegt und wieder mit den Bulben aufgenommen. Nun begibt sich das Männchen auf Brautschau.

Ablauf:

Trifft ein paarungsbereites Männchen auf ein paarungsbereites Weibchen, macht es sich durch trommeln mit den Vorderextremitäten bemerkbar.
Ein nicht paarungsbereites Weibchen versucht das Männchen zu überwältigen. Ein paarungsbereites Weibchen beginnt ebenfalls zu trommeln.
Berühren sich dann beide Partner erstmals im Rahmen des Vorspiels klettert das Männchen unter das Weibchen und git sein Sperma ab.
Direkt nach der Paarung entfernt sich das Männchen vom Weibchen und sollte nun auch entnommen werden, da Weibchen öfters das Männchen angreifen bzw. töten.

Der Kokon und die Jungtiere:

Das Weibchen wird in den nächsten Wochen einen Kokon bauen, der ihr nach etwa einer Woche abgenommen werden sollte.
Im Falle sie die Tiere aufziehen wollen sollten sie den Kokon in eine Heimchendose mit feuchtem Zellstoffpapier geben und ihn nach ca. 8Wochen erstmals öffnen. Die Jungtiere sind in einzelne Grüppchen von etwa 50Stück zu teilen und nach ca. 3Wochen in Einzelhaltung umzusiedeln.

Häufig gestellte Fragen:

Wo kommen Vogelspinnen vor?
Vogelspinnen leben in tropischen und subtropischen Klimazonen Asiens, Europas, Afrikas und Australiens.

Sind Vogelspinnen giftig?
Bis zum heutigen Zeitpunkt ist es nicht bekannt, dass Vogelspinnen einen Menschen ernsthaft verletzt oder vergiftet haben. Die Wirkung des Spinnengiftes ist vergleichbar mit der des Bienengiftes. Bei Personen, die allergisch auf tierische Gifte reagieren, könnte der Giftbiß einen lebensgefährlichen Schock auslösen.

Was bedeuten die Zahlen vor der Artenbezeichnung?

z.B. 0.1.0 Grammostola roseawas bedeutet:

0.1.0 = es handelt sich um ein Weibchen

1.0.0 = es handelt sich um ein Männchen

0.0.1 = es handelt sich um ein Tier unbestimmten Geschlechts

also bedeutet 0.1.0 Grammostola roseaein Weibchen der Gattung Grammostola rosea

TIPP: Die Zahlen zeigen die Anzahl der Tiere an (z.B. 0.2.0= es handelt sich um zwei Weibchen)

Fachwörter: adult, subadult, Spiderling?
adult = geschlechtsreif

subadult = vorgeschlechtsreif

Spiderling = Jungtiere (so bezeichnet man Tiere bis zum subadulten Stadium)


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